Warum jetzt den Weg gehen?

Interview mit Sabine Bannwart und Barbara Ettler.

«Warum soll ich das Branchenzertifikat denn jetzt in Angriff nehmen? Ich warte lieber, bis ich weiss, wie sich die Situation entwickelt», so denken manche Shiatsu-Therapeutinnen. Warum es sich lohnt, den neuen Berufsweg möglichst bald einzuschlagen, erklärt die Präsidentin der Shiatsu Gesellschaft Schweiz Sabine Bannwart (43) und die Vize-Präsidentin der OdA KT Barbara Ettler (57)

Bis 2021 haben Shiatsu-Therapeutinnen die Möglichkeit, über ein vereinfachtes Gleichwertigkeitsverfahren das Branchenzertifikat zu erreichen und anschliessend die höhere Fachprüfung abzulegen. Was heisst das genau?
Alle Shiatsu-Therapeuten, die im September 2015 bereits über einen Methodenabschluss verfügten und bei einer Registrierstelle anerkannt waren, können das Branchenzertifikat vereinfacht erwerben: Bis 2021 müssen diese TherapeutInnen den allgemeinbildenden Teil „Tronc Commun“, der unter anderem Lerninhalte wie Praxisführung, Gesprächsführung und Nothilfe umfasst, für die Erreichung des Branchenzertifikats nicht nachweisen. Wer dann das Branchenzertifikat im Sack hat und eine ausreichende Berufserfahrung nachweisen kann, wird direkt, das heisst ohne Nachweis von Supervision, zur höheren Fachprüfung zugelassen.

Verstehe ich richtig, dass in jedem Fall zuerst das Branchenzertifikat erreicht werden muss und erst danach die höhere Fachprüfung in Angriff genommen werden kann?
Ja das ist richtig.

Welche Folgen hat es, wenn jemand das Branchenzertifikat erst 2022 in Angriff nimmt?
In diesem Fall muss die Person den gesamten Tronc Commun nachweisen und falls nötig einzelne Lerneinheiten nachholen. Das ist nicht nur kostspieliger, sondern auch aufwendiger, denn die einzelnen Bildungsnachweise müssen dokumentiert werden.

Und was sind die Konsequenzen, wenn jemand, der das Branchenzertifikat in den Händen hält, die höhere Fachprüfung erst nach 2022 in Angriff nimmt?
Für Therapeutinnen mit langjähriger Berufserfahrung heisst es, dass sie wie alle anderen, 36 Stunden Supervision nachweisen müssen. Für Therapeutinnen mit wenig Berufserfahrung macht es keinen Unterschied.

Was heisst langjährig praktizierend?
Der Stichtag ist der 9. September 2015.  Wer zu diesem Zeitpunkt mehr als 4 Jahre 50% oder 5 Jahre 30% praktiziert hat, kann von den Übergangsbestimmungen profitieren. Alle anderen müssen 36 Stunden Supervision nachweisen, um zur höheren Fachprüfung zugelassen zu werden.

Was ist zusammenfassend die Empfehlung der Shiatsu Gesellschaft Schweiz?
Wir empfehlen langjährig praktizierenden Therapeutinnen, das Branchenzertifikat möglichst noch 2018 oder spätestens 2019 zu erwerben, damit genügend Zeit bleibt, um sich seriös auf die höhere Fachprüfung vorzubereiten. Die höhere Fachprüfung muss in diesem Fall bis 2021 abgeschlossen werden.

Für Therapeutinnen mit wenig Berufserfahrung ist der Zeitdruck etwas weniger hoch. In diesem Fall reicht es, wenn das Branchenzertifikat bis 2021 erreicht wird.

Was sind denn die Folgen, wenn sich jemand entscheidet, diesen Weg überhaupt nicht zu gehen?
Die Konsequenzen sind in den nächsten drei bis fünf Jahren wahrscheinlich minimal. Als Berufsverband können wir keine Voraussagen darüber machen, ob und wie sich die Praxis der Krankenversicherer in der Vergütung von komplementärtherapeutischen Leistungen verändert. Wir beobachten aber, dass einzelne Kassen bereits heute Therapeutinnen mit einem Branchenzertifikat und/oder einem eidgenössischen Diplom bevorzugt vergüten. Selbstverständlich informieren wir alle Mitglieder über Veränderungen zeitnah und setzen uns weiterhin für alle unsere Aktivmitglieder im Rahmen der Möglichkeiten ein, falls die Regeln von den Krankenkassen missbräuchlich interpretiert werden oder Massnahmen getroffen werden, die dem Feld der KomplementärTherapie schaden.

Interview: Barbara Felber, Vorstand Ressort Methode, Shiatsu Gesellschaft Schweiz
 
Weiterführende Links:
Weiterführende Blogberichte zum Beruf «KomplementärTherapeutin»
Schweizer Shiatsu-Schulen
Kursagenda vorbereitende Kurse an Schweizer Shiatsu-Schulen (nur für Aktivmitlieder zugänglich)
_ Gleichwertigkeitsverfahren Branchenzertifikat
_ Berufsbild KomplementärTherapeutIn, OdA KT
_ Tronc Commun KomplementärTherapie
_ Interview Barbara Häberli
_ Interview Nadia Livers-Kälin