Junge Erwachsene und Kopfschmerzen

Kopfschmerzen bei jungen Erwachsenen nehmen zu. Dies geht aus dem aktuellen Arztreport einer grossen Krankenkasse hervor. In der Altersgruppe der 18- bis 27-Jährigen ist die Zahl der Betroffenen innerhalb von zehn Jahren um 42% angestiegen.

Die Krankenkasse Barmer betreut 10,3 Prozent aller Versicherten in Deutschland. Aufgrund ihrer Daten lässt sich eine solide Hochrechnung für die Gesamtbevölkerung vornehmen, wobei sich die Resultate sicher weitestgehend auch auf die Schweizer Bevölkerung anwenden lassen.

Im Fokus des aktuellen Arztreports 2017, der Anfang Jahr erschienen ist, standen Kopfschmerzen. Die Auswertung der Daten lässt einige wichtige Tendenzen erkennen:

Rasanter Anstieg innerhalb von 10 Jahren
1,3 Millionen junge Erwachsene sind inzwischen von einem ärztlich diagnostizierten Pochen, Klopfen und Stechen im Kopf betroffen. Das sind 400’000 mehr als noch 2005. Die Ursachen seien offen, doch die Vermutung läge nahe, dass sich der zunehmende Druck auf die jungen Erwachsenen auswirke, so die Verfasser des Reports.

Tablettenkonsum bereits bei Kindern
Gemäss einer repräsentativen Umfrage der Krankenkasse nehmen bereits Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 19 Jahren Medikamente ein, wenn sie Kopfschmerzen haben. 42 Prozent bekämpften den Schmerz sogar jedes Mal mit Arzneimitteln.

Dunkelziffer noch weit höher
Im Report erscheinen letztlich nur die Betroffenen der Krankenkasse, die tatsächlich primär wegen Kopfschmerzen ärztliche Hilfe und entsprechend eine Krankenkassenleistung in Anspruch genommen haben. Betroffene, die sich mit Selbstmedikation aus der Apotheke versorgen, sind dabei nicht erfasst. Die Zahl der Kopfwehleidenden dürfte demnach in der Praxis noch viel höher sein.

Die Verfasser des Reports warnen davor, regelmässig oder gar übermässig Kopfschmerztabletten einzunehmen, da dies die Gesundheit gefährden kann. Die deutsche Krankenkasse unterstützt deshalb präventive Massnahmen, die insbesondere junge Leute erreicht. So beispielsweise die Aktion «KopfHoch!», die sich an Studierende richtet und Kopfschmerzattacken reduzieren soll.

Hintergrund
In der Medizin sind rund 250 verschiedene Formen von Kopfschmerzen bekannt, die in primär und sekundär gegliedert werden. Von primären Kopfschmerzen wird gesprochen, wenn das Kopfweh selbst die Hauptursache der Beschwerden ist. Dabei handelt es sich vor allem um Migräne und Spannungskopfschmerzen. Sekundäre Kopfschmerzen sind weit weniger häufig (ca. 10 Prozent), treten als Begleitsymptome auf und können durch Alkohol, Medikamente, Nikotin, Koffein oder auch Erkältung ausgelöst werden. So unterschiedlich die Schmerzen, so variantenreich sind auch die Ursachen. Migräne ist oft genetisch veranlagt, zudem können Stress und Alkohol eine Attacke auslösen. Der Spannungskopfschmerz wird durch Verspannungen im Nacken-, Kiefer- und Kopfbereich verursacht.

Quelle und Bild: Barmer Arztreport 2017

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