Migräne oder «nur» Kopfschmerzen?

Schmerzhaft sind sie beide: Kopfweh und Migräne gehören zu den häufigsten Alltagsbeschwerden und schränken unser Wohlbefinden erheblich ein. Die Weltgesundheitsorganisation WHO klassifiziert die Migräne gar als eine der am meisten einschränkenden Erkrankungen weltweit. Aber wie unterscheidet sich eine Migräne von «normalem» Kopfweh?

Klagt eine Person über Migräne, denken viele Nichtbetroffene zuerst einmal an eine Art starker Kopfschmerz. Damit haben sie gar nicht so unrecht. Sowohl Kopfweh als auch die Migräne gehören zu den sogenannten «primären Kopfschmerzen» und treten im Gegensatz zu den «sekundären Kopfschmerzen» nicht als Folge einer Kopfverletzung oder Erkrankung auf.

Die Migräne nimmt jedoch unter den Kopfschmerzerkrankungen eine besondere Rolle ein. Früher oft als psychisches Leiden abgetan, weiss man heute, dass sie eine neurobiologisch bedingte Erkrankung ist, für die eine erbliche Veranlagung besteht. Während einer Migräne-Attacke kommt es zu einer vorübergehenden Fehlfunktion schmerzregulierender Systeme, das heisst, der Betroffene reagiert überempfindlich auf Reize.

Unterschiedliche Symptome
Unabhängig davon, ob man unter Kopfschmerzen oder Migräne leidet, sind beide Formen für die Betroffenen oft nur schwer zu ertragen. Denn wenn der Kopf vor Schmerzen brummt, ist die Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt. Trotzdem gibt es einige Merkmale und Symptome, worin sich die beiden häufig vorkommenden Alltagserkrankungen unterscheiden.

Kopfschmerzen können seitlich, am Hinterkopf oder an der Stirn auftreten und unterschiedlich stark sein. Bei der häufigsten Art von Kopfschmerzen, den sogenannten Spannungskopfschmerzen, klagen Betroffene oft über beidseitige Schmerzen, die dumpf und drückend sind und als «Helmgefühl» beschrieben werden. Migräneschmerzen hingegen zeigen sich häufig in Form von eigentlichen Schmerzattacken, treten meist nur einseitig auf und sind deutlich stärker. Die Betroffenen erleben den Schmerz als klopfend, hämmernd, pochend, pulsierend, ziehend oder stechend, einige sprechen von einem regelrechten «Gewitter», das den Kopf heimsucht und anfallartig auftritt. Auslöser einer Migräne sind sehr vielfältig: So können grelles Licht, starker Lärm, einzelne Lebensmittel und Alkoholkonsum ebenso eine Attacke auslösen, wie Übermüdung, Stress, aber auch Erholungsphasen (Wochenend-Migräne) und Änderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus. Wirklich starke Hinweise auf Auslöser haben bei Untersuchungen vor allem hormonelle Schwankungen (Menstruationszyklus) ergeben.

Was lindert die Beschwerden?
Ob wir es mit Migräne oder Spannungskopfschmerzen zu tun haben, erkennen wir oft auch an den Massnahmen, welche die Beschwerden lindern. Menschen, die unter Spannungskopfschmerzen leiden, tut häufig moderate Bewegung gut. Ein Spaziergang an der frischen Luft lindert ihre Schmerzen. Migräne hingegen verschlimmert sich oft noch durch Bewegung. Betroffene berichten, dass ihnen stattdessen Ruhe und Dunkelheit helfen, sich wieder etwas besser zu fühlen.

Dabei treten bei einer Migräne, im Gegensatz zu herkömmlichen Kopfschmerzen, häufig vielfältige Begleiterscheinungen auf, die sich bereits einige Tage vor der eigentlichen Migräne äussern. Betroffene reagieren empfindlich auf Lärm oder Lichteinstrahlung, klagen über Übelkeit oder müssen gar erbrechen. Auch eine verstärkte Müdigkeit, plötzlicher Heisshunger oder Schwierigkeiten sich zu konzentrieren, können Vorboten sein. Etwa 15% der Betroffenen erleben zudem sogenannte Aura-Symptomatiken, d.h. sie haben neurologische Reiz- oder Ausfallerscheinungen wie zum Beispiel Seh-, Sprach- oder Gleichgewichtsstörungen. Sie erleben ihre Lebensqualität als stark eingeschränkt. Wer sich erstmals mit Aura-Symptomatiken konfrontiert sieht oder plötzlich unter lang anhaltenden Kopfschmerzen leidet, sollte dies deshalb unbedingt ärztlich abklären lassen. Nur so sind eine verlässliche Diagnose und Behandlung möglich.