Was ist Stress?

In der Alltagssprache setzen wir Stress oft mit Termindruck, einer übervollen Agenda oder zu vielen gleichzeitig zu erfüllenden Aufgaben gleich. Aus fachlicher Sicht handelt es sich aber vielmehr um ein Ungleichgewicht zwischen den gestellten Anforderungen und den eigenen Ressourcen. Dauert dieses Ungleichgewicht an, kann das körperliche und seelische Wohlbefinden beeinträchtigt werden.

Bei Stress geht es nicht, wie häufig angenommen, darum, eine kurzfristige Herausforderung, wie sie anstehende Deadlines oder eine terminintensive Woche darstellen, zu bewältigen. Der Begriff bezeichnet vielmehr ein andauerndes Ungleichgewicht zwischen Stress verursachenden Faktoren, den so genannten Stressoren und den Mitteln und Möglichkeiten (Ressourcen), die dem einzelnen Menschen zur Bewältigung dieser Anforderungen zur Verfügung stehen. Stress ist mit dem persönlichen Empfinden verbunden, Aufgaben nicht mehr bewältigen zu können und wird daher als unangenehm erlebt. Nehmen Stressoren überhand, führt dies bei vielen Menschen kurzfristig zu Frustration und Rückzug, auf Dauer schwindet ihre Leistungsfähigkeit. Können Stressoren nicht mehr mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen ausgeglichen werden, beeinträchtigen sie unser Wohlbefinden und verursachen psychosomatische Beschwerden und Krankheiten.

Was passiert im Körper?
Unser Körper reagiert seit der Steinzeit unverändert auf Stresssituationen. Reflexartig versetzt er uns in Alarmbereitschaft, damit wir mit Kampf oder Flucht («fight or flight») reagieren können. Dabei werden die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol ausgeschüttet, um unsere ganzen Kräfte freizusetzen. Gleichzeitig unterdrückt der Körper die Funktionen, die wir nicht unmittelbar benötigen, was unter anderem unsere Wahrnehmung einschränkt. Haben wir die Stresssituation überstanden, verringert sich die Freisetzung von Adrenalin und Noradrenalin und wir kommen wieder zur Ruhe. Die Entspannung ist überlebenswichtig, um wieder neue Energie zu gewinnen. Diese punktuellen Stresssituationen, wie sie beispielsweise von einer grossen Prüfung, einem unangenehmen Gespräch oder einem einschneidenden Erlebnis hervorgerufen werden können, bringen den Körper zwar kurzfristig bis an die Belastungsgrenze, stärken aber aufgrund der Erfahrung, die wir daraus ziehen, langfristig unsere seelische und körperliche Belastbarkeit. In solchen Fällen spricht man von positivem Stress. Im heutigen modernen Arbeitsalltag haben wir es aber oft mit anhaltenden Stresssituationen negativer Art zu tun, die den Körper nicht wieder in den Ruhemodus zurückkehren lassen und uns langfristig unserer Energie berauben.

Ursachen von Stress
Viele Menschen fühlen sich am Arbeitsplatz stark überlastet und gefordert. (Job-Stress-Index) Doch nicht nur der Job, sondern auch das Privatleben kann belastend sein und als Stressor wirken. Oft sind es private Schicksalsschläge, die uns zu schaffen machen, wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit, eine Trennung oder der Verlust eines geliebten Menschen. Auch pflegende Angehörige sind oft starken Belastungen ausgesetzt. Vielfach empfinden es Menschen auch als anstrengend, nach aussen bestimmte Gefühle zeigen zu müssen, obwohl sie innerlich das Gegenteil fühlen – dieser Zwiespalt wird als emotionale Dissonanz bezeichnet. Gefährdet sind aber auch diejenigen, die das Gefühl haben, allein gelassen zu werden und denen eine Vertrauensperson fehlt, die liebevolle Unterstützung leistet.

Besonders gravierend ist, wenn beides – also Job und private Belastungen – zusammenkommen und eine Wechselwirkung verursachen. Das Zusammenspiel zwischen den persönlichen Faktoren und Verhaltensweisen sowie den Rahmenbedingungen spielt eine wesentliche Rolle für das Auftreten von Stress. Bei Stress haben wir subjektiv das Gefühl, Dinge nicht mehr positiv steuern und Probleme nicht mehr lösen zu können. Ob wir erschöpft sind, variiert sehr stark und hängt massgeblich davon ab, wie wir Anforderungen individuell bewerten und welche Ressourcen uns zur Verfügung stehen.

Stress und seine Symptome
Stress belastet unseren Organismus, unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit auf vielfältige Weise. Häufigste Folgen von Stress sind muskuläre Verspannungen, die sich z.B. in Kopf-, Nacken- oder Rückenschmerzen äussern. Viele Menschen reagieren auch zunehmend gereizt auf ihr Umfeld, sind nervös oder ängstlich, können sich nicht konzentrieren oder schlafen schlecht. Auch Magen- und Darmprobleme oder schmerzende Beine sind oft stressbedingt. Sind wir erschöpft, schwächt dies auch unser Immunsystem und wir werden anfälliger für Krankheiten wie die allwinterliche Grippewelle. Vor allem körperliche Symptome treten oft schleichend auf. Wir bringen sie erst einmal nicht mit Stress in Verbindung, sondern suchen den Hausarzt auf, da uns eine organische Ursache naheliegender scheint.

Vom Stress zum Burnout
Fühlt sich eine Person dauerhaft gestresst und erschöpft, kann dies zu einem Burnout, also einem Zustand emotionaler und physischer Erschöpfung führen, bis die Betroffenen temporär vom Berufsleben ausscheiden. Betroffene distanzieren sich gefühlsmässig von der eigenen Arbeit und fühlen sich emotional verbraucht. Letzteres ist ein wichtiges Indiz dafür, dass eine Person Burnout-gefährdet ist.

Tipps & Tricks gegen Stress
Die Informationsplattform www.stressnostress.ch informiert über Stress-Signale, Ursachen von Stress und gibt Anleitungen zum Abbau und zur Prävention von Stress in Unternehmen und bei Einzelpersonen.

Ein Problemlösungsblatt hilft Betroffenen, ihre Ziele zu realisieren, ohne an die Grenze ihrer Ressourcen zu stossen.

Weitere Informationen:
Staatssekretariat für Wirtschaft SECO: Stressstudie 2010

Quellen: www.stressnostress.ch

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