Wir stellen vor: Laura Jackson

Laura Jackson ist seit diesem Frühling im Vorstand der Shiatsu Gesellschaft Schweiz. Seit über 15 Jahren arbeitet sie als Shiatsu-Therapeutin und betreibt eine eigene Praxis im Kanton Zürich. Von Anfang an war sie Mitglied der Shiatsu Gesellschaft und hat deren Engagement für den Beruf stets sehr geschätzt. Die Wahl in den Shiatsu Vorstand sieht sie deshalb als Chance, ihre lange und vielseitige Erfahrung im Berufsleben einzubringen und so der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Im Gespräch verrät sie, weshalb sie sich entschied, den früher eingeschlagenen Pfad einer Karriere in der Privatwirtschaft zu verlassen und warum ihr die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Disziplinen so wichtig ist.

Laura, beim Blick auf deine Biografie fällt auf, dass du mehrere Sprachen sprichst. Woher kommt dieser gefüllte Rucksack an Fremdsprachen?

Ich bin mit zwei Muttersprachen, Rätoromanisch und Deutsch, in einem Hotel im Engadin aufgewachsen. Zudem ist meine Mutter Italienerin und mein Vater Holländer. Dieses international geprägte Umfeld mit Gästen und Mitarbeitenden aus aller Welt, aber auch die unterschiedlichen Kulturen in meiner eigenen Familie haben mich sehr geprägt. So zog es auch mich früh in die Ferne, wobei ich unter anderem in Genf, London, Zürich und in den USA studiert und gearbeitet habe.

Das bedeutet also, dass du vorerst eine ganz andere berufliche Richtung eingeschlagen hattest?

Ja, absolut. Ursprünglich hatte ich den kaufmännischen Weg eingeschlagen. Bis zu meinem 35. Lebensjahr war ich mit hohem Tempo in der Privatwirtschaft unterwegs und übernahm Führungsaufgaben in den Bereichen Marketing, HR und Ausbildung. Diese Geschwindigkeit, aber insbesondere der Zusammenbruch eines Grossunternehmens, den ich persönlich miterlebte, haben mir Einhalt, aber auch die Chance geboten, mein damaliges Leben neu zu sortieren. In dieser Zeit kam ich erstmals mit Shiatsu in Berührung und ich spürte, wie gut es mir tat. Bevor ich mich aber beruflich auf diesen Pfad begab, machte ich den Umweg über ein Masterstudium und begann, Betriebswirtschaft mit Nebenfach Kunstgeschichte in den USA zu studieren. In der Kunstgeschichte merkte ich, dass mich die Menschen hinter der Kunst weit mehr als die Werke selbst interessierten, weshalb mir meine damalige Dozentin das Nebenfach Ethnologie empfahl. Dieses besuchte ich dann auch ein paar Semester, bis ich spürte, dass es die Medizin der Naturvölker war, die mich faszinierte und ich dort ankam, wo ich hingehörte: in der Komplementärmedizin. Ich startete mit der Ausbildung zur Shiatsu-Therapeutin und eröffnete 2004 in Zürich meine erste eigene Praxis.

Von Anfang an hast du die Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Disziplinen gesucht. Weshalb?

Mir war ein ganzheitlicher, integrativer und interdisziplinärer Ansatz als Therapeutin stets oberstes Gebot. Gesund werden und bleiben ist das Ziel jeder Behandlung. Das bedeutet für mich, das ganze Spektrum medizinischer Möglichkeiten, auch über mein Fachgebiet hinaus, einzubeziehen. Deshalb habe ich schon früh den Kontakt und die Zusammenarbeit mit Schulmedizinern, Psychologinnen und anderen Therapeutinnen gesucht und kann inzwischen auf ein eingespieltes Netzwerk zurückgreifen.

Wo trägt eine interdisziplinäre Zusammenarbeit besonders Früchte?

Ein Paradebeispiel interdisziplinärer Zusammenarbeit und ein typisches Krankheitsbild unserer Zeit ist sicher das Burnout. Eine Burnout-Erkrankung ist immer vielschichtig und komplex und zeigt sich auf verschiedensten Ebenen, das heisst auf der körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Ebene. Hier ist eine fachübergreifende interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtig, um die Klientin oder den Klienten ganzheitlich zu erfassen. Seit vielen Jahren arbeite ich sowohl mit Psychologinnen wie auch mit Burnout-Kliniken zusammen, in denen Psychiatrie, Psychotherapie und Shiatsu eng kooperieren. Dabei zeigt sich, dass sich Shiatsu als komplementäre Therapieform besonders gut eignet.

Heute betreibst du eine eigene Praxis in der SportClinic Zurich. Wie funktioniert eine solche Zusammenarbeit in der Sportmedizin?

In der Sportmedizin kann die Zusammenarbeit zwischen Chirurgie, Physiotherapie und Shiatsu sehr wertvoll sein. Ein Beispiel: Ein Sportler muss sich aufgrund einer Verletzung an Knie oder Schultern operieren lassen. Einer solchen Operation folgt normalerweise eine Physiotherapie und die schmerzstillende Behandlung mit Medikamenten. Nicht immer verläuft aber die Genesung wie gewünscht, weil einem Skifahrer beispielsweise der Schock eines Sturzes noch in den Knochen sitzt oder weil zu viel Druck auf einer Sportlerin lastet, manchmal bereits über längere Zeit. In der Shiatsu-Therapie geht es mir in solchen Fällen darum, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu stärken. Dabei wird der Parasympathikus, sprich der Entspannungsmodus in unserem vegetativen Nervensystem aktiviert und gleichzeitig der Sympathikus, also die Kampf- und Fluchtaktivität gesenkt.

Seit diesem Frühling engagierst du dich im Vorstand der Shiatsu Gesellschaft Schweiz und kümmerst dich um das Ressort Schulen. Welchen Bezug hast du zu diesem Ressort und welches sind deine Aufgaben?

Wie eingangs kurz angetönt, war ich früher auch im Ausbildungsbereich tätig und war für die administrative Leitung einer Schulungsabteilung mit über 50 Lehrpersonen zuständig. Dadurch habe ich natürlich eine hohe Affinität zum Thema Ausbildung. Als Vorstandsmitglied pflege ich einen regen Kontakt zu den Schulleiterinnen und Schulleitern der Schweizer Shiatsu-Schulen und koordiniere übergeordnete Anliegen mit der OdA KT (Organisation der Arbeitswelt KomplementärTherapie), wie beispielsweise zu Themen zur konkreten Umsetzung der Methodenidentifikation. Auch kläre ich Fragen, wie beispielsweise kürzlich, zur Berufshaftpflicht bei der Anstellung von Praktikantinnen und kommuniziere die Antwort an alle Schulen. Ein wichtiges Anliegen ist mir aber auch die Aufklärungsarbeit und Gewinnung neuer Mitglieder. So besuche ich Schulen und informiere künftige Therapeutinnen und Therapeuten über die Shiatsu Gesellschaft und ihr Engagement für unseren Beruf.

Laura, du gehörst zu den sehr erfahrenen Therapeutinnen. Wie beurteilst du die Akzeptanz von Shiatsu heute?

Die Akzeptanz ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Dies zeigt sich in meinem Umfeld beispielsweise darin, dass Shiatsu im Rahmen der interdisziplinären Zusammenarbeit in Kliniken Einzug gehalten hat und heute in vielen Schweizer Kliniken Therapeutinnen und Therapeuten zu finden sind. Vor 15 Jahren stand ich da noch ziemlich alleine auf weiter Flur. Dank der eidgenössischen Anerkennung unseres Berufes wird sich dieser Prozess fortsetzen.

Interview: Monika Bailer Giuliani


Wir stellen vor In unserer Vorstellungsserie möchten wir der Shiatsu Gesellschaft Schweiz ein noch persönlicheres Bild geben und spontan immer wieder Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen und Bereichen vorstellen.