Wissenschaftlich aufbereitete Studie bestätigt: Shiatsu hilft bei Stress

Stress gefährdet die Gesundheit und hat Einfluss auf das soziale Leben. Die WHO fordert die Bekämpfung der Ursachen von Stress. Dafür braucht es interdisziplinäre Gesundheitskonzepte, die einen ganzheitlichen Ansatz, wie er bei Shiatsu praktiziert wird, miteinbeziehen. In einer wissenschaftlich aufbereiteten Pilotstudie hat eine erfahrene Shiatsu-Therapeutin die positive Wirkung von Shiatsu bei Stress nachgewiesen.

Claudia Leyh-Dexheimer ist seit über 15 Jahren Shiatsu-Therapeutin in Deutschland. In ihrem Praxisalltag begegnet sie immer wieder Menschen mit Beschwerden und Symptomen, die aufgrund einer Überforderung in verschiedensten Lebensbereichen entstehen und als Stress wahrgenommen werden. Dabei konnte sie immer wieder beobachten, wie sich bei den Klientinnen und Klienten Stresssymptome im körperlichen, geistigen und emotionalen Bereich dank Shiatsu verringerten.

Obwohl komplementärtherapeutische Behandlungsformen heute weitum Akzeptanz und Anerkennung finden und es viele interessante Studien und Arbeiten über die Wirksamkeit von Shiatsu gibt, entsprechen diese nicht formalen wissenschaftlichen Kriterien. Um der komplementärtherapeutischen Methode mehr Beachtung zu verschaffen, entschied sich Leyh-Dexheimer deshalb, die Bachelorarbeit für ihr kürzlich abgeschlossenes Studium am Institut für Komplementäre Methoden (Steinbeis-Hochschule in Berlin) auf einer Pilotstudie aufzubauen, die für wissenschaftlich Interessierte verwertbar und zitierbar ist.

Oxytocin als Messparameter
In der nun veröffentlichten Studie wurde von ihr untersucht, ob Shiatsu mit seiner besonderen Berührungsform Einfluss auf die Stressverarbeitung hat. Die Grundlage für die Studie lieferte ein Fachartikel, in dem Kerstin Uvnäs-Moberg die Wirkung von «gentle skin contact» auf die Ausschüttung des Hormons Oxytocin, dem sogenannten Kuschelhormon, beschreibt. Basierend auf der von Uvnäs-Moberg beschriebenen These wurde das Hormon Oxytocin als Messparameter verwendet, wodurch der Studie ein klinischer Laborparameter zur Auswertung zur Verfügung stand.

Vielversprechende Resultate
An der Studie nahmen 24 Probanden im Alter von 26 bis 62 Jahren teil, 21 Frauen und drei Männer, alle berufstätig. Es wurden je fünf Shiatsu- Behandlungen durchgeführt. Untersucht wurde deren Wirkung durch das Messen des Oxytocins im Speichel und mit Hilfe des Fragebogens Burnout-Screening Skala II (BOSS II). Die Ergebnisse sind sehr positiv oder, wissenschaftlich ausgedrückt, signifikant bis sehr signifikant ausgefallen. So stiegen die Oxytocin-Werte im Durchschnitt um 11% bei der ersten Behandlung und die Auswertung von BOSS II ergab eine signifikant positive Veränderung hinsichtlich des Stressempfindens bei den Probanden. Diese trat bereits nach einer Behandlung auf. Nach fünf Behandlungen war eine deutliche Verbesserung des Stressempfindens nachweisbar.

Zusammengefasst lässt sich festhalten:
Shiatsu hat einen positiven Einfluss auf die Stressverarbeitung. Bei ausgeprägter, langanhaltender Erschöpfung sind mehrere Behandlungen respektive Behandlungszyklen sinnvoll. Der Zeitabstand zwischen den Behandlungen kann nach zwei bis drei Behandlungen verlängert werden, ohne dass der positive Effekt verloren geht. Shiatsu kann in besonders schwierigen und von Stress geprägten Lebenssituationen, die vorübergehend auftreten, auch als «ad hoc»-Massnahme genutzt werden, da bereits eine Behandlung eine kurzfristige, positive Wirkung zeigt.

Die Studie ist im GRIN-Verlag als Buch (ISBN-Nummer 9783668784895) veröffentlicht und in der Deutschen Nationalbibliothek archiviert worden. Eine Kurzfassung ist in Deutsch und Englisch und die komplette Studie in Deutsch wie folgt erhältlich:

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Pilotstudie: Hat Shiatsu einen positiven Einfluss auf die Stressverarbeitung?

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Literaturverzeichnis
Wilkinson, Richard (2004): Soziale Determinanten von Gesundheit. Die Fakten. 2. Ausg. Kopenhagen: WHO, Regionalbüro für Europa (Gesunde Städte im 21. Jh).

Uvnäs-Moberg, Kerstin; Petersson, Maria (2011): Role of oxytocin and oxytocinrelated effects in manual therapies. In: Hollis H. King, Michael M. Patterson und Wilfrid Jänig (Hg.): The science and clinical application of manual therapy. Edinburgh, New York: Elsevier, S. 147–161.

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