Sabine Bannwart, Präsidentin der SGS

Seit 2014 engagiert sich Sabine Bannwart bei der SGS. In ihrem Erstberuf als Marketing-Manager bei verschiedenen grossen Firmen war sie bis 35 auf der Überholspur unterwegs. Seit 2008 fasziniert sie die Stille des Shiatsu. Die lebendige und fordernde Seite des Berufslebens möchte sie aber nicht missen. Als Präsidentin der SGS liebt sie es, Projekte zu leiten und sich für den Beruf der KomplementärTherapeutin einzusetzen. Als Therapeutin ist auch sie noch auf dem Weg zum eidgenössischen Diplom. Wir haben nachgefragt…

Sabine, welches sind die wesentlichen Aufgaben, die du als Präsidentin wahrnimmst?

Hauptsächlich geht es um die Führung der laufenden Geschäfte, um die Repräsentation gegenüber Dritten und um die Führung der Gremien, also des Vorstands, der Geschäftsstelle und der Kommissionen. Eine weitsichtige Planung ist dabei wichtig: Wohin bewegt sich unser Beruf? Welche berufspolitischen Ziele müssen wir langfristig verfolgen? Wo gibt es Hürden, und welche finanziellen Mittel stehen uns heute und in ein paar Jahren zur Verfügung? Es geht um die kurz-, mittel- und langfristige innerbetriebliche Organisation und Entwicklung eines Berufsverbandes und dessen Aufgaben. Ausserdem sind wir im engen Kontakt mit anderen Berufs- und Methodenverbänden. Auch der regelmässige Austausch mit der OdA KT und dem EMR sind wichtige Aufgaben des Präsidiums. Viele Aufgaben und Projekte ändern sich ständig oder verlangen ganz plötzlich meine Aufmerksamkeit. Das ist oft nicht planbar.

Was können wir uns darunter vorstellen?

Letztes Jahr war zum Beispiel ein wichtiger Auftrag, die KomplementärTherapeutInnen bei der Einführung des neuen Tarifs 590 zu unterstützen. Die Rechnungsstellung diesem standardisierten Format anzupassen, ist für viele kompliziert. Unsere Aufgabe als Berufsverband ist es, die TherapeutInnen in diesem Prozess optimal zu informieren, ihnen Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen und ihre vielfältigen Fragen zu beantworten.

Du warst bis 2013 in der Privatwirtschaft tätig, unter anderem bei Hewlett-Packard. Worin bestehen die grössten Unterschiede zu deiner früheren Arbeit?

(lacht) Ich musste vor allem lernen, geduldig zu sein. Entscheide werden nicht einfach vom Chef oder der Projektverantwortlichen gefällt. Als Vorstand fällen wir Entscheide gemeinsam und sehen uns dazu sechs- bis siebenmal pro Jahr. Die Geschäfte werden vorbereitet und dann vom Vorstand verabschiedet. Die Entscheidungsprozesse sind dadurch länger, meiner Erfahrung nach jedoch auch fundierter. Im Gegensatz zu früher durfte ich auch feststellen, dass ich nicht immer auf der Überholspur arbeiten muss, um Wertschätzung zu erfahren.

Führst du neben deiner Arbeit als Präsidentin auch eine eigene Praxis?

Ja klar. Ich liebe – wie eingangs erwähnt – die Stille des Shiatsu. Sehr bewusst reserviere ich in meiner Agenda Zeit für Shiatsu. Das ist mir sehr wichtig. Die Arbeit bei der SGS macht mir Spass, aber wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt, antworte ich «KomplementärTherapeutin in der Methode Shiatsu».

Die KomplementärTherapie bietet seit kurzem die Möglichkeit einen eidgenössischen Abschluss zu erreichen. Wie geht es dir auf deinem Weg zum eidgenössischen Abschluss?

Auch für mich wird dieser Schritt eine Herausforderung sein. Neben meinem Engagement als Präsidentin und Therapeutin bin ich Mutter einer Tochter. Ich habe letztes Jahr das Gleichwertigkeitsverfahren zum Branchenzertifikat durchlaufen. Die Übergangsfristen laufen bis 2022 und es ist mein Ziel, bis 2022 auch das eidgenössische Diplom in den Händen zu halten. Ich weiss, dass ich hier noch viel Arbeit vor mir habe, aber ich betrachte das vor allem als Gelegenheit für meine persönliche Entwicklung als Therapeutin und Mensch.

Was gibst du anderen mit, die mit diesem Schritt noch hadern?

Es führt kein Weg daran vorbei. Willst du einen guten Teil deines Lebensunterhaltes mit Shiatsu verdienen, dann nimm das Ziel des Branchenzertifikats in Angriff! Die Übergangsfristen laufen, und für die Erreichung des Branchenzertifikats wird all jenen, die vor dem 9. September 2015 bei einer Registrierstelle angemeldet waren, der Tronc Commun geschenkt. Ab 2022 gilt diese Regel nicht mehr. Es wird dann also teurer und aufwändiger, das Branchenzertifikat zu erreichen.

Du hast dich in den letzten Jahren für einen starken Auftritt der SGS in der Öffentlichkeit engagiert. Ist diese Arbeit abgeschlossen?

Auf keinen Fall. Wie ich oben erwähnt habe, ticken die Uhren im Verbandsleben etwas langsamer, auch sind die finanziellen und personellen Mittel bescheidener als in der Privatwirtschaft. Ausserdem ist erfolgreiche Kommunikation eine kontinuierliche Aufgabe. In den letzten vier Jahren haben wir vieles professionell aufgegleist und verbessert und damit viel erreicht. Nun geht es an die Feinarbeit und die Optimierung. Aber die Pendenzenliste ist noch ziemlich umfangreich, und wir haben noch viele Ideen und Projekte in diesem Bereich.

Wo siehst du dich in ein paar Jahren?

Die nächsten paar Jahre werde ich meinen eingeschlagenen Weg weiterverfolgen. Ich freue mich aber auf die Zeit, wo mich meine Tochter nicht mehr so fest braucht wie heute. Ich habe viele Ideen für Aus- und Fortbildungen, von denen ich mir neue Möglichkeiten und Entwicklungsschritte verspreche. Diese Bedürfnisse müssen im Moment etwas zurückstehen, dafür geniesse ich in der freien Zeit Momente mit meiner Tochter und meinem Mann. Wir reisen zum Beispiel sehr gerne, und diese Familienmomente sind unbezahlbar und nur jetzt möglich.


Wir stellen vor In unserer Vorstellungsserie möchten wir der Shiatsu Gesellschaft Schweiz ein noch persönlicheres Bild geben und spontan immer wieder Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen und Bereichen vorstellen.

Interview: Barbara Ettler