Wenn Schmerzen bleiben

Schmerzen, so unangenehm sie sein können, sind ein lebensnotwendiges Warnsignal des Körpers. In vielen Fällen können Schmerzen und deren Ursachen gut behandelt werden. In unserer modernen Gesellschaft leiden jedoch immer mehr Menschen unter Schmerzen für die keine eindeutige medizinische Diagnose gestellt werden kann und deren Behandlung sich als schwierig erweist. Diese Schmerzen zeigen auch häufig einen chronischen Verlauf.

Chronische Schmerzen sind weit verbreitet. Alleine in der Schweiz leiden schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen, in ganz Westeuropa sind es etwa 70 Millionen.1 Am häufigsten handelt es sich dabei um Kopf-, Rücken- und Gelenkschmerzen. Schmerz ist eine Sinneswahrnehmung, wobei diese Wahrnehmung äusserst variabel sein kann, wie zwei Münchner Forscher 2011 in einer Untersuchung aufzeigen konnten:  Die Wahrnehmung objektiv identischer, potenziell schmerzhafter Reize variiert von Moment zu Moment, von Person zu Person und von Gesunden zu Kranken.

Schmerz ist nicht gleich Schmerz

Akuter Schmerz signalisiert, dass eine akute Gefahr besteht. Ähnlich wie der Mensch Hitze, Kälte oder Berührung empfindet, nimmt er auch den Schmerz wahr. Dabei reagieren Rezeptoren auf Temperaturreize (Hitze und Kälte), chemische und mechanische Reize (Druck oder Verletzung) und leiten die Information an das zentrale Nervensystem weiter. Dort wird ein Reflex ausgelöst, damit sich der Mensch aus der Gefahrensituation entfernt. So zieht man beispielsweise automatisch die Hand von der heissen Herdplatte zurück. Die Ursachen akuter Schmerzen sind meist eindeutig erkennbar und können gezielt behandelt werden.

Chronischer Schmerz dauert über längere Zeit an und verliert den Charakter eines Warnsignals. Das heisst, der eigentliche Auslöser ist schon lange verheilt, die Nerven senden jedoch weiter Schmerzimpulse an das Gehirn. Die Nervenzellen entwickeln eine Art Schmerzgedächtnis. Der Schmerz wird zu einer eigenständigen Erkrankung, dem chronischen Schmerz. Diese ist sehr komplex und wird von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Überschreiten schmerzhafte Empfindungen einen Zeitraum von sechs Monaten, spricht man von chronischen Schmerzen.

Schmerzen haben häufig, jedoch nicht immer, eine körperliche Ursache. Auch bei psychischen Erkrankungen, wie beispielsweise bei einer Depression, kann es zu Schmerzempfindungen kommen. So leiden gemäss aerzteblatt.de bis zu 80 Prozent der von depressiven Erkrankungen betroffenen Menschen, auch unter körperlichen Symptomen – vor allem an Schmerzen, zumeist im Bereich des Muskel- und Skelettsystems und an Kopfschmerzen.

Ganzheitliche und interdisziplinäre Behandlung
Wenn der Schmerz seine lebensnotwendige Funktion verliert und chronisch wird, ist das Leid vieler Betroffener gross. Während diese früher oftmals nicht ernst genommen wurden, wurde inzwischen erkannt, dass Schmerz individuell angegangen und behandelt werden muss. Anstelle der Behandlung der Schmerzen mit Medikamenten, Physiotherapie oder Operationen bewährt sich oft ein interdisziplinäres Vorgehen. Dabei hilft neben schulmedizinischen Verfahren auch die zusätzliche Inanspruchnahme von komplementärtherapeutischen Methoden wie z.B. Shiatsu, den Betroffenen zu einer besseren Lebensqualität.

1 Quelle: Survey of chronic pain in Europe, 2005

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